"Symbiose zwischen Pferd und Musik"

Das Bremer Kaffeehaus-Orchester hat auf dem Zuchthof Sosath den Abschluss des Musiksommers Wesermarsch gestaltet. Zahlreiche Pferde präsentierten sich zu Walzer, Pop und Bolero.

Babara Wenke schreibt für "DIE NORDDEUTSCHE":

Lemwerder. Die Premiere ist gelungen. Rund 650 Pferde- und Klassikliebhaber kamen am Sonnabendabend in die Reithalle des Zuchthofs Sosaths, um dem ersten Konzert des Bremer Kaffeehaus-Orchesters mit Begleitung tanzender Pferde beizuwohnen. Hausherr Gerd Sosath hat sich mit der Veranstaltung ebenfalls einen lang gehegten Wunsch erfüllt, wie er bei seiner Begrüßung erwähnte.

„Wir wollten immer schon Musik in unserer Reithalle anbieten“, sagte Sosath, dessen Team mit der Ausrichtung von Indoor-Großveranstaltungen durchaus vertraut ist. Der Tag der offenen Tür, die Osterbälle sowie der auch am 6. Dezember wieder anstehende Züchteradvent sind stets gut besucht. Mit dem Abend „Classics meets horses“ im Rahmen der kreisweiten Veranstaltungsreihe „Musiksommer Wesermarsch“ wagte sich der Zuchthof an der Seite der Begu Lemwerder allerdings auf unbekanntes Terrain.

Die fünf Musiker des Bremer Kaffeehaus-Orchesters, die nach eigenem Bekunden bislang keine Berührung mit Pferden hatten, waren begeistert. „Es war ein ganz tolles Gefühl, als die Pferde anfingen, auf die Musik zu reagieren“, konstatiert Geiger Constantin Dorsch. „Ich hätte gerne die ganze Zeit auf die Pferde statt zwischendurch auf die Noten geguckt.“ Ebenso erging es Moderator Klaus Fischer, der in dem kammermusikalischen Quintett die Blasinstrumente spielt: „Der energetische Austausch war eindrucksvoll. Ich hatte das Gefühl, dass die Pferde wirklich Verbindung zur Musik aufgenommen haben.“

Den Auftakt im Viereckeck machten die ausgewiesenen Dressurspezialisten. Insbesondere die Vierbeiner spanischer Abstammung schienen den Rhythmus im Blut zu haben. So präsentierte Anja Rietbrock ihren fuchsfarbenen „Kaisers Hoheit“ zu Maurice Ravels „Bolero“ zu Beginn im majestätischen Spanischen Schritt. Janke Schmidts kompakter Schimmel „Fusiliero“, ein spanischer Andalusier, schien in der „Carmen“-Ouvertüre aufzugehen.

In Lemwerder trafen Pferde- auf Klassikfans. Ursula und Gerd Voller aus Aumund lieben den Anblick der Fohlen, wenn sie an schönen Tagen zu Radtouren durch die südliche Wesermarsch aufbrechen. Ihr Konzertbesuch fußte aber auf ihrer Klassikleidenschaft. „Wir haben im Kito in Vegesack schon Konzerte mit einzelnen Mitgliedern des Bremer Kaffeehaus-Orchesters gehört und sind nun gespannt, wie es hier wirkt.“ Für Susanne Bruns lautete die Antwort zweieinhalb Stunden später: „Das Orchester hat eine tolle Musikauswahl getroffen. Frisch und lebendig“, urteilt die Bernerin, die in ihrer Jugend selbst Cello gespielt hat. Jasmin Töpken ist hingegen wegen der Pferde nach Lemwerder gekommen. „Mit klassischer Musik habe ich nichts am Hut“, räumte die Rastederin ein. Die Hobbyreiterin nutzte die Gelegenheit, den Hof Sosath persönlich kennenzulernen.

Nicole und Jens Pargmann waren aus Höven angereist. Eine Stunde vor Konzertbeginn suchten sie sich erhöhte Plätze, um ideal sehen zu können. „Wir lassen uns überraschen, was auf uns zukommt“, meinte Nicole Pargmann kurz vor dem Anspielen der ersten Töne. Besonders gespannt waren die Besucher aus dem Landkreis Oldenburg und ihre mitgereisten Freunde auf den vorletzten reiterlichen Programmpunkt, denn da zeigten die Ponyspieler des Reitervereins Höven zu den Klängen des Säbeltanzes aus dem Ballett „Gayaneh“ eine rasante Schaunummer.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Rondo alla Turca“ untermalte das Bremer Kaffeehaus-Orchester die turnerische Vorführung der Berner Voltigierer. Wie sehr Hausherr Gerd Sosath der Abend gefiel, ließ sich daran erkennen, wie er die jungen Voltigiererinnen verabschiedete. Er reihte sich beim Auslaufen in den Gleichschritt der jungen Turnerinnen ein. Sosaths Enkelinnen nutzten die reiterlichen Pausen, um sich selbst in der Reitbahn verträumt nach der Musik zu bewegen.

Abschließend war die Kondition der fünf Auszubildenden des Hofes Sosath gefragt. Nachdem Lena Stegemann die Dressur-Hengste „Van Primero“ und „For Dance“ sowie Celine Beekhuis und Hannah Switlick die wie Zwillinge wirkenden Springpferde „Lollipop“ und „Cartoon“ präsentiert hatten, trabten die Lehrlinge zur Titelmelodie der TV-Serie „Der rosarote Panther“ auf Steckenpferden in die Bahn und „ritten“ – angefeuert von den Zuschauern – eine Quadrille mit schwersten Dressurlektionen.

Im Anschluss an die Veranstaltung „Classic meets horses“ zog Tina Tönjes von der Touristikgemeinschaft Wesermarsch, die die Musikreihe an ungewöhnlichen Orten inszeniert hatte, ein positives Fazit. „Die Angebote wurden sehr gut angenommen. Die Gäste waren begeistert. Bis auf Heavy Metal hatten wir alle Musikstile.“ Ihr Ausblick: „2020 wird es mit Sicherheit eine Neuauflage geben.“

> Hier finden Sie den Artikel in "DIE NORDDEUTSCHE"

veröffentlicht am 01.10.2019
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