Blog zum Hamburger Derby

Unsere Auszubildende lässt euch hinter die Kulissen des Derbys blicken

Hallo alle zusammen 🙋🏽
Die nächsten Tage nehme ich euch mit hinter die Kulissen des Hamburger Derbys.
Vor allem möchte ich euch hier ein paar Eindrücke als Pferdepfleger, oder auch als „Groom“ betitelt, näherbringen.
In der Galerie findet ihr die schönesten Bilder vom Derby-Wochenende.

Somit starten wir mit Tag 1

Auch dieses Jahr hat Hendrik eine Startgenehmigung für das Hamburger Derby erhalten. Und darüber freue ich mich mindestens genauso sehr wie er. Alle erzählen immer so begeistert von diesem Event und ich war noch nie dort. Aber das ändert sich nun. 
Ich begleite Hendrik als Groom und kümmere mich um das Wohl der Pferde. Und damit ihr auch etwas davon habt, nehme ich euch mit hinter die Kulissen. So sind wir bereits gestartet:

Heute (Dienstag) ziehen wir mit vier Pferden und einem vollgepackten LKW los nach Hamburg. Mit dabei sind Lady Lordana, Quel Chanel, Casalido und Casino Berlin. Den LKW haben wir bereits einen Tag zuvor zum größten Teil gepackt, sodass es am heutigen Tag der Abfahrt nicht zum Stress kommt und wir auch wirklich nichts vergessen. Nach gut zwei Stunden sind wir endlich in Hamburg angekommen. Als erstes haben wir unseren wie bei „Tetris“ beladenen Anhänger ausgepackt und die Boxen für die Pferde hergerichtet. Unsere vier Kracher sollen sich ja in ihren Hotelzimmern wohlfühlen. Als dann alles an Ort und Stelle war, ging es auch schon weiter. Hendrik wollte seine Pferde gerne reiten und an die neue Umgebung gewöhnen. So ein riesiger Derbyplatz beeindruckt ja nicht nur die Reiter und Zuschauer. Auch die Pferde machen erfahrungsgemäß sehr große Augen. Zusammen haben wir sie schnell gesattelt. Während Hendrik dann über den heiligen Rasen reiten durfte, habe ich den Vet-Check gemacht. Alle international startenden Pferde müssen bei jedem Turnier vor Richtern und Tierärzten vortraben, damit sichergestellt ist, dass sie gesund sind. Mit unseren Hengsten ist das manchmal ganz schön aufregend. Sie benehmen sich manchmal etwas machomäßig und erinnern sich wohl an frühere Zeiten, als sie noch Junghengste waren. Aber diesmal lief alles vorbildlich und alle vier absolvierten den Check wie gewünscht. Fast zeitgleich kamen Hendrik und ich dann mit allen Pferden wieder im Stallzelt an. Gegen 20 Uhr waren alle gefüttert und versorgt. Zeit, schnell ins Helferzelt zu gehen und sich beim Abendessen zu stärken. Dort machten wir dann gleich den Plan für den nächsten Tag. Morgen wird es ernst. Die erste Prüfung beginnt früh und ich darf meinen Wecker auf 5:30 Uhr stellen. Nicht meine Lieblingszeit, aber bei so einer besonderen Veranstaltung und dem schönen Wetter fällt das Aufstehen leicht. Wir freuen uns, wenn ihr uns die Daumen drückt. Morgen Abend setze ich mich an den nächsten Tagesbericht. Aber nun geht es erst mal in die komfortable LKW-Wohnung.

Es grüßt Euch aus Hamburg
Eure Celine

P.S.: In der Story veröffentlichen wir ganz aktuell Fotos und Videos.
Folgt uns bei Instagram @hof_sosath!

Tag 2

21:52 Uhr - gerade noch schnell den Pferden eine dünne Decke aufgelegt und nun im Bett. Jetzt habe ich endlich Zeit, den Turniertag in Textform zu verfassen: Mein Tag fing, wie geplant, um 5:30 Uhr an. Alle Pferde wurden gefüttert und Hendrik begann damit, seine Pferde locker zu reiten. Casino Berlin durfte heute als erstes auf dem Derbyplatz starten. Nachdem alle Stollen eingedreht waren (zehn pro Pferd), ging es mit einem hübsch aufgemachten Hengst zum Abreiteplatz, den ich als Derby-Neuling erst einmal finden musste. Auch Gerd war angereist, um Hendrik zu unterstützen. Nach einigen Steilsprüngen und Oxern unter der Aufsicht des Trainers und Vaters ging es dann perfekt vorbereitet in die beeindruckende Arena. Ich sehe diese jetzt zum ersten Mal - wow! Genau das hatte sich auch Casino Berlin gedacht. Er nutzte die riesengroße Wiese, um sich erst mal etwas auszutoben und zu spielen. Das hatte dann leider einen Abwurf zur Folge. Danach sprang der Schimmel wieder wie wir ihn kennen, wie ein Flugzeug.

Zurück im Stallzelt habe ich ihn schnell abgesattelt, die Stollen wieder herausgedreht und die mühevoll erstellten Zöpfe herausgemacht. Dann ging es zur Pferdedusche. Über die Abkühlung freute sich Casino Berlin heute besonders. Bei 25 Grad im Schatten war uns allen ganz schön warm geworden. Zeit zum Ausruhen blieb mir nicht. Der nächste Start war bereits geplant, das Youngster-Springen für Casalido. Der nun siebenjährige gewann letztes Jahr mit Gerd neun (!) Springpferdeprüfungen in Serie, nun geht es aber auch für ihn um die Zeit. Der Casall-Sohn scheint den Derbyplatz ebenso zu mögen wie sein Papa. Mühelos sprang er über die Abmessungen und wurde mit Hendrik 5. Dann gab es eine kleine Reitpause. Die nutzte ich, um die Boxen wieder frischzumachen, das Sattelzeug zu putzen, aufzuräumen und zu füttern.

Das Highlight des heutigen Tages war die 1. Qualifikation für das Deutsche Spring-Derby. Ich hatte die besonderen Sprünge bislang nur im Fernsehen gesehen. Aber aus der Nähe – puh, ganz schön hoch und schwer dieses Traditionsspringen. Heißt wohl nicht umsonst „schwerstes Springen der Welt“. Auch in der 1. Quali mussten die Pferde schon Pulvermanns Grab überwinden. Beim nächsten Mal kommen dann der große Wall und der Birkenoxer dazu. Als erstes durfte Lady Lordana von Lordanos x Landor S in den Parcours. Sie absolvierte alles souverän, einmal war Hendrik aber leider etwas dicht und schon fiel die Stange.

Ein Eisen hatten wir aber noch im Feuer – unser Joker sozusagen, Quel Chanel von Quality x Landor S. Letztes Mal gewann Hendrik mit ihm das Speed-Derby. Nun haben wir das große Derby angepeilt. Quel Chanel erfüllte alle Erwartungen und sprang fehlerfrei und schnell durch die 1. Quali. So schnell, dass Hendrik mit ihm am Ende als bester Deutscher an 4. Stelle platziert war. So macht das Spaß und so darf es weitergehen. Nach einer feierlichen Ehrenrunde bekam auch Quel Chanel eine angenehme Dusche - nach der sehnte ich mich nun auch langsam.

Die Pferde wurden „bettfertig“ gemacht und wir konnten einen kurzen Plausch mit unseren Stallnachbarn halten und die Füße hochlegen. Ich bin schon sehr gespannt, was der morgige Tag mit sich bringt und ob ich Zeit finde, mir ein paar von den tollen Ständen anzugucken, die ich nur im schnellen Vorbeigehen wahrgenommen habe.

Morgen geht der Wecker erneut um 5:30 Uhr, da Casino Berlin seinen ersten Start um 7 Uhr hat. Deshalb nun aber ganz fix: Gute Nacht

Eure Celine

Tag 3

Heute fiel es mit doch recht schwer aufzustehen und man sah mir den letzten, ziemlich langen und anstrengenden Tag wohl auch etwas an aber egal - weiter ging’s die Pferde hatten Hunger. Nachdem ich alle vier gefüttert und gemistet hatte, wurde es schon ernst für Casino Berlin. Um 7:00 Uhr musste der erste Reiter bereits in die Bahn und auch Hendrik wollte pünktlich auf dem Pferd sitzen. Heute entschied er sich für eine andere Zäumung als gestern. Nun war es das gebisslose Hackamore, das zum Erfolg führen sollte. Beim Abreiten legte Hendrik besonders Wert darauf, den motivierten Hengst mit ganz viel Ruhe vorzubereiten - das klappte super. Auch im Parcours konnte Casino Berlin seine Freude zwischen den Sprüngen im Griff behalten. Er blieb fehlerfrei und platzierte sich in diesem schweren Springen an 8. Stelle.

Danach ging es direkt weiter mit unserem Küken, dem siebenjährigen Casalido. Der junge Hengst findet langsam Gefallen an den internationalen Turnieren und fühlt sich richtig wohl. Im Parcours verpennten Pferd und Reiter leider den ersten Sprung etwas. Die weiteren Hindernisse waren vom Feinsten und der Casall-Nachkomme zeigte, dass er diesen Aufgaben gewachsen ist. Nun heißt es Daumendrücken, dass er Samstag noch mal starten darf - nur 13 Pferde qualifizieren sich für das Finale. Seine beiden Derbypferde, Lady Lordana und Quel Chanel, ritt Hendrik ein wenig locker auf dem Abreiteplatz. Sie sollen frisch bleiben für das große Ereignis am Freitag, die 2. Quali. Gegen 12:00 Uhr war Hendriks Turniertag damit beendet und es ging für ihn und seinen Papa nach Hause zur Familie - es ist ja schließlich Vatertag. Und auf dem Hof haben wir noch viele Pferde, die sich über Arbeit freuen. Ich hielt somit den ganzen Tag alleine die Stellung.

Nach einer kleinen Mittagspause machte ich mich erneut auf den Weg zum Abreiteplatz, dieses Mal als Zaungast. Wo bekommt man schon mal die Chance, den besten Reitern der Welt sozusagen über die Schulter zu schauen? Die Größten der Szene wärmten sich für das Springen der Global Champions Tour auf. Sehr interessant! Vom Equipment über das dressurmäßige Abreiten bis hin zur Anzahl der Sprünge. Ob Ludger Beerbaum, Luciana Diniz oder Rolf-Göran Bengtsson, sie alle haben ihre eigenen Methoden, die Pferde für diesen megaschweren Parcours vorzubereiten. Manche reiten “klassisch Dressur”, mit Seitengängen, Rückwärtsrichten und ähnlichem. Einige Pferde waren so durchlässig, dass sie auch auf dem Nebenplatz, beim Dressur-Derby, starten könnten. Andere Reiter lassen die Pferde mit ganz „langem Hals“ gehen und trainieren Übergänge. Allesamt haben sie sehr intensiv, lange und konzentriert abgeritten. Vom kleinsten Steilsprung zur Eingewöhnung bis zum hohen Oxer, wie er im Parcours erwartet wird. Alles war zeitlich perfekt abgestimmt und ruhig - auch wenn der Abreiteplatz nicht sehr groß ist und die Sprünge oft umgebaut werden. Es ist schon beeindruckend, wie die Profis sich abstimmen. Da sieht in unseren ländlichen Springen leider oft anders aus.

Zwischendurch schaute ich, ob bei unseren Pferden in den Stallzelten alles in Ordnung ist. Ich ging noch ein bisschen grasen und longierte sie locker. Immer im Blick hatte ich dabei den Liveticker in meinem Handy. Für Lordan wollte ich nämlich wieder zurück sein. Mein Chef hat diesen Wallach von Lordanos x Landor S gezogen, aber ich habe ihn noch nie live gesehen. Er hat schon so viel gewonnen, zwei 1-Million-Dollar-Springen zum Beispiel. Aber er und sein Reiter Nayel Nassar sind in den USA zu Hause und selten in Europa. Wir haben mehrere Lordanos x Landor S-Nachkommen bei uns im Stall, auch Hendriks Derbypferd Lady Lordana ist so gezogen. Sie alle haben diese besondere Ausstrahlung. Bei Lordan war ich allerdings überrascht, wie klein er ist. Die Hindernisse, die er immer überwindet, sind so groß wie er selbst! Diesmal kassierte dieser Kämpfer leider einen Abwurf, aber er hat ja noch einige Starts.

Das Wetter spielte heute zum Glück auch mit. Wir blieben größtenteils trocken, aber es wurde etwas frisch. Da mir während der Prüfung kalt wurde, zog es mich zurück zum Stall, um den Pferden eine dünne Decke aufzulegen. Sie sollten ja nicht zu frieren beginnen, so wie ich es tat.
Nun war es auch schon wieder Zeit für das Abendbrot. Alle Pferde bekamen ihr Futter und Stallbandagen, um die Verletzungsgefahr in der Nacht, soweit es geht, zu minimieren. So ein Auswärts-Turnier ist ja doch immer etwas aufregender für die Pferde. Heute hatte ich pünktlich, um 18:30 Uhr, Feierabend. Nun heißt es Erholen und Krafttanken für die nächsten Tage. Gegen 21:00 Uhr werde ich im Stall noch einmal nach dem Rechten sehen.

Es grüßt Euch die erschöpfte, aber begeisterte
Celine

Tag 4

Für so einen ereignisreichen und emotionalen Turniertag muss man erst einmal die Worte finden.
Heute begannen wir etwas später, zu unserer gewohnten Uhrzeit. Um 7:00 Uhr stand ich im Stall, habe die Pferde gefüttert und danach geführt. Lady Lordana habe ich an Halfter und Longe joggen lassen. – Allerdings hatten diese Idee mehrere Leute, sodass ich anstehen musste. Quel Chanel sollte heute früh spazieren gehen - und dabei war er kaum zu bremsen. Ich hatte das Gefühl, dass er sich auf den Tag freut und arbeiten will.

Zunächst war jedoch Casino Berlin im Finale der Classic Tour dran. Heute wieder auf Hackamore (leider die falsche Entscheidung, wie Hendrik später urteilte). Wow - sprang er wieder super und so schön - ein Sprung wie der andere.Auf der gegenüberliegenden Seite vom Einritt fiel aber leider die Stange. Für mich kaum sichtbar, aber am Ende standen 4 Fehlerpunkte auf der Tafel. Wie schade! Hendrik war enttäuscht, hatte er sich doch für heute mit Casino Berlin so viel vorgenommen. „Wir müssen uns steigern!“, war sein Fazit. Ich habe natürlich alles gegeben, die Pferde waren top herausgeputzt. Aber im Parcours sind Reiter und Pferd auf sich allein gestellt. Da können sich Pfleger und Trainer noch so gut angestrengt haben. Und manchmal fehlt einfach das Quäntchen Glück. Wenn die Stange fällt, dann fällt sie und man muss nach vorne blicken. Genau das tat Hendrik.

Als nächstes ritt er seine Zukunftshoffnung, den Youngster Casalido. Er hat sich für das Finale der Youngster Tour qualifiziert. Euer Daumen drücken hat also geholfen, vielen Dank dafür. Das große Finale ist aber erst morgen - deshalb war heute nur leichte Arbeit angesagt.

Dann wurde es für mich auf einmal ziemlich stressig. Ich hatte nur 20 Minuten Zeit, um ein Pferd wieder ordentlich in die Box zu stellen und Lady Lordana komplett für die 2. Quali zum Derby fertig zu machen - puh, das war ganz schön knapp. Gut, dass es nette Freunde und Boxennachbarn gibt, die auch mal kurz mit anpacken können. Als Hendrik sich dann auf die Fuchsstute setzte, konnte ich einmal kurz durchatmen. Doch die Anspannung stieg wieder schnell an, als ich auf dem Abreiteplatz realisierte, dass sehr viele Derby-Sprünge zu überwinden waren. Und schon heute mussten alle vom großen Derbywall herunterspringen.Während der Prüfung habe ich versucht, alles in Bildern und Videos für euch festzuhalten - gar nicht so leicht, wenn die Hände dabei zittern.
Wasser super, den großen Wall easy runter, Birkenoxer mega, Mauer super - ich machte mich langsam zum Jubeln bereit - aber nein der allerletzte Sprung, die letzte Stange der Holsteiner Wegesprünge, fiel,- so ein Jammer! Trotzdem eine Hammer Leistung der beiden. Da war auch ich stolz wie Oskar.Zurück im Stallzelt beobachtete ich den weiteren Verlauf der Prüfung via iPhone. Es waren so viele ausgeschieden- ist halt der schwerste Parcours der Welt.

Quel Chanel bekam die schönsten Zöpfe für den besonderen Auftritt und schon waren Gerd und Hendrik wieder bereit. Hendrik schwang sich auf den Quality-Sohn und nach dem dressurmäßigen Aufwärmen ging es schon mit dem Springen los. Auch diesmal gab Papa Gerd die entscheidenden Tipps und ich half beim Aufbauen der Sprünge. Dann mussten wir auch schon zum Einritt und Hendrik und Quel Chanel galoppierten in die Arena. Ich stand mit Gerd am Seitenrand und verfolgte den Ritt gebannt. Boar, packt der das gut und motiviert an - da war mein Eindruck beim Schrittführen schon richtig, dass er heute viel Power hat. Er machte alles so easy, da war immer noch Luft und es sah alles so leicht aus. Ich machte mich wieder zum Jubeln bereit. und ja, er war ohne Strafpunkte im Ziel, und schnell! Bester Deutscher. Hammer!! Das Publikum tobte ebenfalls. Gerade aus der Arena heraus wurde Hendrik auch schon vom NDR-Fernsehen abgefangen, die das Springen live übertragen hatten. Moderatorin Sandra Maahn stellte die Frage des Wochenendes: „Welches Pferd wird’s denn nun am Sonntag?“ Hendrik war noch etwas außer Atem, man konnte die Anstrengung des Parcours noch hören. Aber antworten konnte er trotzdem gewohnt souverän, „er müsste noch nachdenken“.
Direkt dahinter war dann die nächste Haltestation. Jedes Pferd wird nach dem Parcours kontrolliert, ob Gamaschen und Gebiss in Ordnung sind und es dem Pferd gut geht. Quel Chanel war natürlich topfit und wir durften den Ausritt verlassen. Wow!! Alle waren beeindruckt, Zuschauer machten auf dem Weg zurück zum Abreiteplatz Bilder wie von einem Star. Hendrik ließ Quel Chanel etwas austraben. Danach übernahm ich und führte ihn noch etwas Schritt. Hendrik nahm die ganzen Glückwünsche und das Lob entgegen, dass er gleich zwei Pferde so gut durch diesen Parcours pilotierte. Auch Derby-Profi und Mitveranstalter Paul Schockemöhle kam zum Abreiteplatz und diskutierte mit Hendrik, welches den nun das bessere Derbypferd sei. Denn nun hat Hendrik ein „Luxusproblem“ - wen reitet er im Finale am Sonntag? Auch ich habe darauf noch keine Antwort erhalten - wenn er diese denn überhaupt schon selber wüsste. Heute Abend wollen Gerd und Hendrik die Ritte noch mal in Ruhe analysieren. Dann muss eine Entscheidung her. Am Sonntag ist nur ein Pferd startberechtigt. Ich steckte währenddessen Quel Chanel gleich zwei Schleifen an, denn beide Pferde waren platziert und Hendrik wieder bester Deutscher.
Anscheinend haben die Iren und Briten besonders gut für diesen Parcours trainiert. Die ersten Plätze gingen alle auf die Inseln. Nach der feierlichen Siegerehrung nahm der Tag dann ein „normales“ Ende. Ich holte mir noch etwas zu essen, guckte mir das Stechen der Global Tour an (wo leider nur noch wenige Fans zuschauten, obwohl es doch so ein toller Sport mit so vielen großen Reitern der Szene ist) und machte mich dann auf dem Weg in den LKW. 

Mein Fazit des Tages?
Hammer Atmosphäre, Hammer Ritte, Hammer Pferde, Hammer Leistung! Und ich bin wieder Hammer platt- mal sehen, ob ich mich noch zu der Party aufraffen kann, die hier heute Abend stattfindet.

Happy und stolz grüßt aus Hamburg
Eure Celine

Tag 5

Ich komme gar nicht mehr mit, welchen Tag wir nun genau haben. Auf jeden Fall ist es Samstag und für uns ging es heute um den Youngster Casalido, Hendriks “Luxusproblem-Entscheidung” und das Speed-Derby. Morgens wurden die Pferde wieder gefüttert, getränkt und geführt. Gegen 9:00 Uhr reiste die ganze Familie an.

Ich machte Casalido startklar für das große Youngster-Finale und schon waren wir wieder mittendrin im Geschehen. Wie gewohnt stand Trainer und Vater Gerd am Sprung und half Hendrik mit Casalido beim Abspringen. Dieses Mal warf aber noch ein anderer ständig ein Auge auf den Hengst. Rolf-Göran Bengtsson baute eigentlich für seinen Schüler auf. Aber gleichzeitig konnte er seinen Augen kaum trauen. Dieser eine Youngster sah genauso aus wie sein Erfolgspferd, Casall. Und er sprang auch so und war ihm überhaupt sehr ähnlich. Da ließ es sich die jahrelange Nummer 1 der Weltrangliste nicht nehmen, ein gemeinsames Foto machen zu lassen. Nach dem tollen Abspringen konnte es doch nur noch gut werden, dachte ich mir. Aber dann sah ich die Aufgabe, die Hendrik und der Hengst vor sich hatten. Es war schwerer als ein Springen sonntags auf den „normalen“ Turnieren. Und Casalido ist doch erst sieben Jahre alt und macht gerade erst seine ersten internationalen Erfahrungen. Doch Casalido überzeugte alle. Er nahm den Parcours an wie ein Großer. Hendrik hatte sich erstmal dazu entschieden, ihm Vertrauen zu geben und nicht zu schnell zu reiten. Ein guter Plan, der sich auszahlte. Hendrik und Casalido blieben fehlerfrei und wurden 6. im Youngster-Finale. Eine super Leistung!

Jetzt war eine kurze Pause bis zum nächsten Start angesagt. Hendrik ritt beide Derby Pferde locker auf dem Trainingsplatz. Ich schaute mir währenddessen das 1,60m-Springen der Global Tour an. Das brachte wirklich Spaß! Nur das Stechen verpasste ich leider, denn unser nächster Auftritt stand an.
Ich flitzte ins Stallzelt, um Quel Chanel zu satteln. Jetzt lest ihr es - Hendrik hatte die schwierige Entscheidung gefällt. Quel Chanel sollte das Speed-Derby springen und Lady Lordana den superschweren Parcours am Sonntagnachmittag. Die Ergebnisse des Großen Preises von Hamburg bekam ich dann von Hendrik übermittelt. Er schaute die letzten Ritte noch schnell live, um sich das eine oder andere von den Superprofis abzugucken.

Dann waren wir bereit für das Speed Derby. Auf dem Abreiteplatz hörte man schon die fantastische Stimmung aus der Arena. Alle jubelten und fieberten bei jedem Reiter mit - da kam richtig Partystimmung auf. Ob Quel Chanel wohl schon merkte, was ihn erwartete? Vor zwei Jahren konnte Hendrik mit ihm dieses Springen gewinnen. Auch diesmal waren die beiden wieder hochmotiviert. Hendrik durfte als vorletzter in die Bahn. Er ritt super schnell, aber immer darauf bedacht, seinen Partner gesund und mit Vertrauen ins Ziel zu bringen. Am Ende gab es Platz 4 für beide und damit die dritte Schleife für Quel Chanel an diesem Wochenende. In allen Springen platziert - besser hätte es für den Wallach kaum laufen können.

Gegen 20:00 Uhr zurück im Stall, half Hendrik mir, schnell alles fertig zu bekommen. Ich hatte ja noch einiges vor, der Blog für euch war leider im Laufe des Tages noch nicht so weit fortgeschritten. Apropos - ich lese mir jeden Kommentar von euch genau durch und freue mich über jeden positiven - danke dafür! So macht es mir auch noch mehr Spaß, nach Feierabend den Tag für euch zusammenzufassen.
Gestern ging es übrigens noch kurz zur Derbyparty ins Gastrozelt, wo viele Nationen zusammen einen tollen Abend verbrachten. Heute werde ich alle Kraft und Konzentration für morgen sammeln und früh ins Bett gehen. Davor habe ich nur noch einen Auftrag: Lady Lordana ein paar motivierende Worte ins Ohr flüstern.

Aufgeregt und voller Vorfreude auf den Finaltag grüßt
Eure Celine 

Tag 6 - Finaltag 

Heute drehte sich alles um Lady Lordana und das große Derby.

Nach den morgendlichen Ritualen reiste Hendrik an. Er ritt Lady Lordana noch einmal locker, um „in sie hineinzuhören”, wie sie heute drauf ist. Dann kamen auch schon die Startzeiten heraus. Alles musste auf die Minute genau getimed werden. Das Turnier füllte sich mehr und mehr mit Menschen. Und meine Aufregung stieg damit immer mehr an. Und dann übertrug das Fernsehen auch noch live, Hendrik war sogar für die ARD-Sendezeit eingeplant. Somit wollte ich heute alles noch perfekter fertig haben als die letzten Tage. Der Derbyparcours ist so lang, dass ich sogar noch Zeit hatte, mir die ersten Reiter anzuschauen. Ich saß zunächst auf der Wiese, bis alle Leute nach und nach aufstanden, da es keinen mehr ruhig sitzen ließ. Als dritter Starter ritt mein damaliger Azubi-Kollege. Da konnte ich schon ahnen, wie nervös ich erst bei Hendrik werden würde. Die Stimmung in der Arena war einmalig. Nach jeder Hürde applaudierte das Publikum und feierte jeden Reiter. Denn jeder der das Ziel erreichte, hatte eine fantastische Leistung gebracht.

Nach etwa zehn Reitern machte ich mich auf den Weg ins Stallzelt zu Lady Lordana. Sie wurde herausgeputzt wie ein Superstar und ich hatte das Gefühl, ich müsste ihr nun alle meine Energie für den langen und schweren Parcours übertragen. Um Punkt 16:00 Uhr setzte Hendrik sich auf die Lordanos-Stute. Um 16:44 Uhr war sein Start geplant. Auf dem Abreiteplatz gab es dann ein Schwestern-Treffen. Sandra Auffarth ritt ihre La Vista bereits ab, sie war kurz vor Hendrik dran. Hendrik und Sandra besprachen den Parcours und fanden sogar noch Zeit, für ein gemeinsames Foto zu posieren. Die beiden Superstuten von Lordanos - sie könnten fast Zwillinge sein. Und dann noch beide von den Familien der Reiter gezogen, perfekt. Viele Sprünge hatte keiner der Reiter auf dem Abreiteplatz gemacht. Vor allen lag ja ein fast unendlich langer Parcours. Und dann ging es auf einmal ganz schnell. Mein Puls stieg auf 180. Lady Lordana startete toll. Die ersten Sprünge liefen perfekt, die Stute war top motiviert. Dann kam der große Wall - überhaupt kein Problem in der Qualifikation. Heute allerdings brachte er alles durcheinander. Hendrik hatte zu viel Fahrt drauf, musste oben auf dem Wall zu viel abfangen, und schon war er aus dem Rhythmus. Ein kleines Zurücktreten und schon gab es vier Fehlerpunkte. Die Stute nahm all ihren Mut zusammen, ging hinunter, kassierte aber direkt danach zwei Folgefehler. Am Ende standen 16 Strafpunkte auf dem Ergebniskonto. Da waren wir alle traurig und enttäuscht. Wir hatten uns so große Hoffnung auf eine Platzierung gemacht. Und dann so knapp gescheitert. Ganz am Ende stellten wir fest: ohne das Zurücktreten hätte es sogar für die Derbyschleife gereicht. Aber: es war trotzdem eine super Leistung der beiden, sie haben den Rest toll gemeistert. Ein kurzer Check nach dem Ziel, ob alles okay ist und dann trabte Hendrik seine Stute lange aus und ritt sie Schritt, bis auch ihr Puls wieder im Normalbereich war. Zurück im Stall gab es eine kalte Dusche und Kühlgamaschen um die Beine.

Sandra Auffarth und ihre selbstgezogene La Vista von Lordanos x For Pleasure sorgten derweil für eine Sensation. Sie absolvierten den kompletten Derbyparcours ohne Fehler (>hier könnt ihr den Ritt anschauen). Nach dem Stechen gab es Platz 3 für die Derbydebütanten. Und Sandra wurde für ihren Ritt in Springpferdeprüfungsmanier mit dem Stilpreis ausgezeichnet. Da tobte das Publikum.

Dann packten Hendrik und ich den LKW, damit es nach Hause gehen konnte. Dieses Mal mussten wir kein „Tetris“ spielen, da Heu, Stroh und Späne aufgebraucht waren. Als alles eingeladen war, kamen zum Schluss die Pferde auf den Transporter. Los ging es Richtung Heimatstall, vorbei an der schönen Elbe im strahlenden Sonnenschein.
Auf der Rückfahrt ließen Hendrik und ich das Turnier Revue passieren. Die Derbyfehler nahm er auf seine Kappe. Im nächsten Jahr will er es mit etwas mehr Vorbereitungstraining besser machen. Insgesamt war es aber ein sehr erfolgreiches Wochenende. Die Pferde sprangen toll und es gab nur ein paar „Pechfehler“. Es waren 12 sehr schwere Springen und in 7 davon war er platziert.

Zu mir - ich bin nun komplett platt, freue mich auf meine Dusche und mein Bett, wenn wir zu Hause angekommen sind.
Aber die Derbywoche war toll. Es war ein super Ereignis, ich habe viel erlebt, dazugelernt, nette Leute und Freunde getroffen und würde es jederzeit wieder machen. Ich kann als Derby-Neuling nur jedem empfehlen, diese einmalige Atmosphäre auf dem Turnier mal live mitzuerleben. Es lohnt sich!

Nun konzentriere ich mich wieder auf die Arbeit auf dem Hof. Und freue mich auf das nächste Highlight, über das ich berichten darf.

Sonnige Sonntagsgrüße von der A1 sendet
Eure Celine

veröffentlicht am 16.05.2018
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